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Zeitungsartikel Thuner Tagblatt (28. August 2015)

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Bericht Radio NEO1 2015
Teil 2 (part 2 about Solex)
Teil 3 (part 3 about Solex)

Zeitungsartikel Migrosmagazin (11. Mai 2015)

Das Velosolex knattert immer noch

An freien Mittwochnachmittagen steckt Christof Kipfer (40) oft in seinem Keller in Thun BE und werkelt an einem Zweiradmotor. Nicht etwa, weil sich der Real­schullehrer wie seine Schüler im Frisieren übt. Nein, seine Töfflis sind nicht schnell, sondern vor allem schön – Kipfer ist Solexfan.

Christof Kipfer in seinem Solexreich, der Werkstatt.
Das Velosolex ist der «Döschwo» unter den Motorrädern: in der Nachkriegszeit für viele erschwinglich und heute ein Kultobjekt. «Wenn ich mit meinem kleinen Schwarzen durch die Stadt fahre, freuen sich die Leute und winken mir zu», sagt der passionierte Hobbymechaniker. Überall werde er in Gespräche verwickelt und bekomme Anekdoten zu hören.

1941 montierten die beiden Inhaber des französischen Vergaserherstellers Solex, Marcel Mennesson und Maurice Goudard, den ersten Motor auf ein Herrenfahrrad – der Prototyp war geboren. 1946 ging dasVelosolex in Courbevoie bei Parisin Serie. 1950 wurden bereits 44 000 Stück produziert. Das Velo mit Hilfsmotor, wie die neue Fahrzeugkategorie genannt wurde, bestach durch Sparsamkeit und Robustheit. Bald verlieh ihm der Volksmund wegen des Motors auf dem Vorderrad den Spitznamen «Nasenwärmer».

Christof Kipfer, Elisa Christina (8), Sarah Carolina (4) und Anna Julia (6, von links) posieren auf einem «Dreirad Lieferwagen», basierend auf Modell 3800 – ohne Helm. In Fahrt tragen alle immer einen Kopfschutz.

Sein erstes Velosolex fand Kipfer vor rund zwölf Jahren per Inserat in einem Altersheim. Es war eine Hassliebe: «Was habe ich geflucht über diese Maschine. Nichts lief, wie ich wollte, ich war völlig überfordert.» In Mechaniker Ulrich Hofer aus Kirchberg BE fand er einen Mentor, der ihm so manchen Trick verriet.

Heute muss Kipfer nicht mehr lange überlegen, wenn er einen neuen «Patienten» auf die kleine Hebebühne in seinem Keller stellt. Systematisch wie ein erfahrener ­Sanitäter untersucht er das Gefährt: Springt der Motor an? Funktioniert die Benzinpumpe? Sind die Leitungen frei? Ist die Zündkerze intakt?
Schrauben gegen den Schulstress

Wie viele Oldtimerfans ist auch Christof Kipfer ein leidenschaftlicher Schrauber und Tüftler. Eine Leidenschaft, die moderne Fahrzeuge nicht befriedigen können: «Die Roller, die man heute kauft, sind eigentliche Computer.» Darum könne man sie gar nicht mehr flicken, sondern müsse immer gleich ganze Bausätze austauschen, wenn etwas kaputt ginge.

Im und um das Chalet von Christof Kipfer stehen immer ein paar Solex, die darauf warten, repariert zu werden: «Mechanische Herausforderungen sind Wellness für meinen Kopf.» Beim Schrauben könne er sich bestens vom Schulalltag erholen. Oft wird er auch von anderen Velosolexfans kontaktiert, wenn es darum geht, technische Probleme zu lösen oder an Ersatzteile zu gelangen. Da ihm die Anrufe mit der Zeit zu viel geworden sind, bietet er heute über eine liebevoll gestaltete Homepage Ersatzteile, Hintergrundwissen und Adressen von Velosolexspezialisten an.

Ein Blick auf die Seite lohnt sich auch wegen der Bildergalerie mit historischen Werbeplakaten sowie diversen Solexmodellen – vom ersten Prototyp über das Faltsolex bis zum neuen E-Bike Moustache. Letzteres ist kein Benziner und somit kein echtes Solex, kommt aber im Retrolook daher und ist aktuell im Handel. Es gilt als Velo und darf ohne Helm gefahren werden.

Schätzungsweise sechs Millionen Velosolex wurden bis zum Produktionsstopp im Jahr 1988 insgesamt hergestellt. Wie viele davon heute noch im Verkehr sind, weiss niemand. Sicher aber ist: Die Liebe zum Knattertöffli wirkt verbindend. In der Schweiz gibt es gleich mehrere Vereine, die sich zu Ehren des Solex gebildet haben. Die Aargauer Solexfreunde etwa, der Velosolex-Club Emmental oder der Velosolexclub-Nordwestschweiz. Letzterer organisiert übrigens in Pratteln BL Anfang September die Schweizer Meisterschaft im Velosolexrennen.
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Zeitungsartikel Bund (7. August 2013)

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